Stories

"Mein OBS"

Gepostet am 27. April 2010

In loser Folge stellt die Reihe "Mein OBS" Betrachtungen über und Geschichten vom OBS vor. Musiker, OBS-Mitarbeiter, Journalisten, Glitterhouse-Praktikanten, Fans, Macher, die Bühne und sogar der Rock-Gott kommen zu Wort. Danke an Stephan "Ueberzahl" Uersfeld für die Idee.

Mein OBS - Die Heilung einer Nicht-Festivalbesucherin

Gepostet am 20. Dezember 2010


OBS 12 – Der Beginn meiner Festivalkarriere in heimischen Gefilden
von Valerie Aster

Ein Festival also. Ich. Die Festival-Nichtbesucherin. Seit 22 Jahren erfolgreich.
Ich bin zu diesem Zeitpunkt seit etwa fünf Monaten mit dem Liebsten zusammen, der in good
old Beverungen geboren und aufgewachsen ist und den es irgendwann in die
Landeshauptstadt Niedersachsens verschlug. Und der sagt: „Bei uns im Ort gibt’s jedes Jahr
ein kleines Festival mit total unbekannten Bands. Komm, wir gehen da hin.“
Ich bin unbedarft. Ich habe doch gar keine Festival-Erfahrung. Ich find Festivals doch
scheiße. Alles so improvisiert, den ganzen Tag zwischen Besoffenen und dann auch noch
Camping. Diesen Un-Komfort ist mir kein Künstler dieser Welt wert.
Aber beim OBS 12 können wir ja bei den Eltern des Liebsten wohnen. Mit richtigem Bett und
Dusche. Und gescheiter Ernährung. Und zwischendurch fahren wir dann immer „zu
Glitterhaus“, wie man dort sagt. Dahin, wofür Plakate mit nackten Popos drauf werben.
Freitag Abend. Wir gehen den Grünen Weg entlang. Man kann durch die warm schwirrende
Luft die Menschen und die Musik hören. Ich bin am meisten fasziniert von diesem Türmchen
in Form eines Bleistiftes.
Durch die Trödelstände hindurch landen wir in dem bereits angepriesenen Garten – dem
Festivalgelände im engeren Sinne. Es ist ein Mikrokosmos, ein wunderschöner
Mikrokosmos. Ja, hier mag ich bleiben.
Es gibt Musik und Schnack und Sternenhimmel. Ich nehme das alles in mir auf und werde
dann doch ziemlich müde. Ich habe in dieser Woche vier sechsstündige Klausuren für die
Zwischenprüfung geschrieben, die letzte habe ich erst vorhin um 13 Uhr abgegeben. Da darf
man auch mal ein bisschen müde sein. Mich fragt jemand: „Willst du vielleicht ein Bier?“ -
„Nee, ich trink kein Bier, danke!“ – „Aber vielleicht nen Joint?“
Die nächsten Tage verbringen wir bei strahlendem Sonnenschein. Den Erzählungen, es
würde an Pfingsten zum OBS öfter mal regnen, kann ich nicht so recht Glauben schenken.
Seit ich zum OBS komme, gibt es jedenfalls immer gutes Wetter. Woran das wohl liegt.
Ich trage nonstop meine schöne Audrey-Hepburn-lookalike-Sonnenbrille.
Wir spazieren an der Weser entlang und durch das Zeltdorf, besuchen unsere Bekannten,
Grillen daheim bei den Eltern des Liebsten, gucken in die Sterne, futtern uns durch das
Büdchen-Angebot, durchforsten die Trödelstände, suchen Schatten und Getränke, machen
Fotos, sonnencremen, entdecken Musik. Wir entdecken vor allem Gisbert zu Knyphausen.
Ein Mann mit Gitarre und deutschen Texten. Hach. Gisbert, wir gehören zu deinen Fans der
ersten Stunde.
Ich bin nach vier Tagen ein Teil dieser großen Gemeinschaft von tausenden Individualisten
und Gegen-den-Strom-Schwimmern. Ich bin eine davon. Schließlich finde ich Festivals ja
scheiße. Eigentlich. Und deswegen gehe ich nicht mit dem Trend und so.
Jetzt. Ich schiebe den linken Ärmel hoch und schaue auf das abgewetzte, orangeausgebleichte
Festivalbändchen. Orange Blossom Special 12.
Seit dem OBS 12 habe ich weitere Festivals besucht. Nicht viele. Nur ein paar auserwählte.
Entweder weitere OBS oder das ein oder andere Festival in Wohnortnähe. Bei dem wir
zuhause übernachten konnten, Sie verstehen.

"Mein OBS" - eine Fabel, soz. selbst erlebt von André Borkowski

Gepostet am 29. November 2010

Der erste Beittrag in "Mein OBS", der unserem Aufruf, eure persönlichen OBS-Geschichten einzureichen, folgt. Und gleich ein ganz besonderer. Eine Fabel nämlich. Zur Erklärung erstmal Teile des Anschreibens.

....eine Fabel, die ich nach dem Samstag des OBS im Jahr 2008 verfasste. Ich hatte an diesem Tag den schlimmsten Absturz meines Lebens. Ne Erfahrung war es mit Sicherheit...ob es ne gute war?
Na ja teilweise.
Nach dem Wochenende wollte ich das ganze dann festhalten; auf nicht allzu eindeutige Weise. An was ich mich noch erinnere, war die Hinfahrt, die Flasche Whiskey, ein wenig Livemusik , einzelne Bilder vom Umherirren auf und in der Nähe der Weserpromenade, vereinzelte Bilder der Stunden auf der Parkbank, komische Rabauken, die sich mit irgendwem schlagen wollten und unglücklicherweise ein paar Leute, die mir dann noch Wodka anboten. Falls euch die Story gefällt, könnt ihr sie gern verbraten....
Au revoir
André

„Auf Auf!“ sagte der Hahn an diesem einen besagten Nachmittag. Sein schwarzer Kopf erstrahlte in der frühen Abendsonne. „Ich bin nun da um mit euch einen schönen Abend zu erleben!“ fügte er hinzu. Das Schaf wandte sich um, begrüßte den Hahn herzlich, legte die Golfschläger an die Seite, mit denen es zuvor noch die Zeit verbrachte und drehte sich zum Eichhörnchen um, welches ebenfalls im Stall einen Platz eingenommen hatte.
„Ich sagte doch, dass wir es noch schaffen werden das Treffen der Tiere zu besuchen!“ mähte das Schaf.

Das Eichhörnchen, etwas grimmig gestimmt, antwortete flugs mit einem einfachen „Dann lasst uns sofort aufbrechen!“ und sofort sprangen die drei auf um sich in Richtung Tierversammlung zu bewegen. Dem Hahn mit seinem großen schwarzen Kopf fiel ein, dass der Dachs ebenfalls dasselbe Ziel hatte, also hielt man an seiner Höhle.
Die drei riefen mit voller Kraft: „Meister Dachs! Meister Dachs!“, doch es tat sich nichts.
Wieder riefen die drei: „Meister Dachs! Meister Dachs!" Langsam trottete Meister Dachs aus der Höhle. "Ich bleibe zu Hause" brummte er. Alle Überredungskünste, vor allem die des Eichhörnchens, brachten kein Ergebnis. Der Dachs blieb also bei Frau und Kindern zu Haus. Man hatte eine Reise von mehreren Meilen vor sich, jedoch war die Distanz recht zügig bezwungen, was wohl mit an den ca. 90 Pferden lag, die das Gefährt des Hahns bewegten.


Dort angekommen fühlten unsere Helden den Duft des Frühlings. Mit der Sonne im Gesicht war den drei Tieren nichts lieber als einige Minuten bis Stunden den frühen Abend zu genießen und ein paar der gegorenen Früchte zu sich zu nehmen, die sie von zu Hause mitbrachten. Man bekam Besuch. Zufällig, wirklich zufällig, kam die Ratte auf seinem zweirädrigen Gefährt um die Ecke gefahren. Wie wohl allen meinen Lesern bekannt sein sollte ist die Ratte eine überhebliche Figur, deren Charakter auf der eigenen Selbstüberschätzung aufgebaut ist. Die Ratte redete sehr viel. Viel zu viel fand das Eichhörnchen. Gut, dass das schnell vorbei war. Die Versammlung hatte schon begonnen und einige Tiere musizierten vergnügt. Dies sollte ein schöner Abend werden…sollte.
Es war kurz vor Mitternacht als das Eichhörnchen ein unwohles Gefühl verspürte. Sein blick trübte sich, die Orientierung schwand, die Hilferufe wurden überhört. Woher kam dieses Gefühl? Das Eichhörnchen hatte eine Vermutung war sich jedoch nicht sicher. Möglicherweise waren zu viele gegorene Früchte im Spiel gewesen. Nie hatten diese sich jedoch so ausgewirkt. Es suchte etwas Bekanntes etwas das seine Not lindern würde. In mitten von hunderten von Tieren fand er schließlich den Esel und das Känguru, er erklärte das Gefühl, das in ihm wohnte jedoch erkannte keiner von ihnen die Gefahr, die dieses Gefühl mit sich bringen würde. Das Eichhörnchen zog weiter durch die Menge. Eine Maus saß am Wegesrand. Beinah wäre es übersehen worden. Es jammerte. Das Fell der Maus was nicht für nächtliche Temperaturen ausgelegt. Das Eichhörnchen, sehr wohl selbst in Nöten, streifte Fürsorglich sein Jackenartiges Fell ab und überließ es der Maus. Es selbst fror nicht, also war diese barmherzige Tat kein wirkliches Opfer gewesen. Gedanken durchstreiften den Kopf des Nussliebhabers; wo waren das Schaf und der Hahn geblieben? Dieser Weg, so schien es musste allein gegangen werden. Bekannte wurden getroffen, helfen konnten sie jedoch nicht. Plötzlich, ganz plötzlich sah das Eichhörnchen etwas sehr schönes in der Luft schweben. Zwei Feen beugten sich zu ihm herunter. „Dein Geist schwindet so scheint es uns! Wir wünschen dir viel Glück auf deinem Weg! Achte auf dich!“ Die Feen verschwanden so plötzlich wie sie auftauchten. Eine magische Kraft zog unseren kleinen Freund hinfort. Er merkte wie seine Beine ihn trugen, doch wohin? Wohin würde das Schicksal ihn ziehen?

Eine Art Ohnmacht überfiel unseren kleinen haarigen Freund. Verschwommene Bilder von Tieren, fremden fremden Tieren, das ist alles was wahrgenommen werden konnte. Ein unerträgliches Gefühl überkam ihn als er zu sich kam. In einer Art und Weise war der Ort an dem er sich befand vertraut. Nicht in der Lage eines seiner Gliedmaßen zu bewegen lag das Eichhörnchen da. Angewiesen auf die Gnade des Herrn, angewiesen auf Hilfe. Nein nein! Diese Geschichte endet nicht mit dem Tod des Nagers, denn ein kurzer Kraftschub gab ihm die Möglichkeit seinen Weg in der Fremden Welt fortzusetzen. Weit kam er nicht jedoch traf er auf Tiere, Tiere bei denen er sich wohl fühlte. Es war leider Gottes nicht das Schaf und leider Gottes nicht der Hahn, seine einstigen Wegbegleiter und die einzigen Wesen, die ihn jetzt noch erretten konnten. Das Eichhörnchen setzte seine Reise also fort. Eine Reise voller Geschrei, Gewalt, Bächen aus fließendem Feuer. Ja er war dem Tode sehr sehr nah. Es hieß lauf! Lauf! Weg von hier! In bekannte Gefilde! Dorthin wo liebe und Freude regiert. Lauf kleiner Nager! Lauf! Das Eichhörnchen lief. Es lief und lief, so weit die kleinen Beine es trugen. Was war das? Gelächter. Lautes Gelächter! Seit einigen Stunden war das Wesen des Eichhörnchens mit einem dicken Schleier überzogen. Mit letzter Kraft der Musik hinterher, in Richtung Gelächter. Mit einem letzten Ruf nach Hilfe verließ die Kraft unseren Freund. Er wurde errettet. Manche nennen es Zufall, manche Schicksal. Was es war weiß niemand so genau. Achtet auf das was ihr tut. Das Eichhörnchen hatte jedenfalls am nächsten Tag den miesesten Kater seines Lebens.

"Mein OBS" - ...so weit die Füße tragen

Gepostet am 06. Mai 2010

Eine anscheinend nicht sehr aktuelles Drama. Und doch: Es hat dauernden Wert. Das Symbol des OBS 13 und die Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Gilt für alle vergangenen und zukünftigen OBS-Festivals.

Es müssen so etwa 1000 Kilometer gewesen sein, die er gelaufen war. Vielleicht auch mehr. Durch Wälder, über Lichtungen, durch Flüsse gar. Straßen und Brücken hatte er gemieden. Er hatte versucht, sich nicht ablenken zu lassen. Kein Zaun hatte ihn aufgehalten. Schweres Wetter hatte ihn nicht aus dem Trott gebracht, selbst als auf ihn geschossen worden war, hatte er sich nicht beirren lassen. Einmal war es knapp gewesen, verdammt knapp sogar. Aber er war weitergezogen. Er war von kräftiger Statur – doch jetzt war ihm die Mühsal anzusehen. Das alles ging selbst ihm an die Substanz. Gerastet hatte er selten. Denn er hatte ein Ziel vor Augen. Ein Ziel, dass er eingedenk dessen, was er dafür geopfert hatte, mit aller Macht erreichen wollte.
Er war jetzt ganz nah dran. Er trat aus dem Solling heraus, blickte in das vor ihm liegende Wesertal.
Da ging es ihm wieder durch den Kopf. Das, was er dafür aufgegeben hatte. Sein Herz begann wild zu schlagen. Verdammt, es tat weh, immer noch. Er hatte seine Familie zurückgelassen. Seine Partnerin, die trächtig war. Sie hatte geweint, ihn verständnislos angesehen, ihn angefleht, zu bleiben. „Bitte bleib hier“ hatte sie gehaucht, „was kann es Wichtigeres geben als uns, als unsere Liebe?“ Doch es ging nicht. Er hatte sich lösen müssen, es musste eine Entscheidung her. Er war sich sicher, dass es die richtige Entscheidung war. Trotzdem kamen wieder diese Zweifel. Bohrende, quälende, peinigende Zweifel. Er hatte ständig erfolgreich versucht, sie zu bekämpfen, sie nieder zu denken: Es ist richtig! Es ist richtig! Es ist richtig! Es muss so sein! Du tust, was du tun musst! All das hatte er wie ein Mantra immer und immer wieder vor sich hingemurmelt. Er fand das selber eigentümlich und spinnert – aber, hey, diese Welt war nun mal ein seltsamer Ort.

Nun also stand er da, erschöpft und stolz. Er schaute noch immer auf diese beiden kleinen Städtchen, die sich an die Weser schmiegten. Dort unten, unweit des großen Getreidespeichers, in den Garten hinter der Glitterhouse-Villa, dorthin zog es ihn. Es waren nun nur noch wenige Kilometer. Er würde bald ankommen.
Der Hirsch trottete weiter - und ein letztes Mal ging ihm durch den Kopf, was er seiner Liebsten zum Abschied gesagt hatte: „I love you but I’ve chosen OBS!“
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